Oktober 2011

DADINA-Podiumsdiskussion: Transparenz in 5 Akten

Von André De Stefano

André de Stefano

1. Akt – Die Veranstaltung I

Die DADINA lädt ein. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion soll für mehr Akzeptanz der Regeln für die Fahrradmitnahme in Bus und Bahn geworben werden. Grundsätzlich ist die Mitnahme kostenlos, Rollstühlen und Kinderwägen muss allerdings jederzeit der Vortritt gelassen werden. Das führt oft zu Ärger zwischen den Fahrgästen und das eingreifende Personal macht sich immer mindestens einen Fahrgast zum Feind.

Auf dem Podium sollen nun möglichst alle Standpunkte angesprochen werden. Dazu gehören die Aufgabenträger, vertreten durch die DADINA und das Straßen- und Tiefbauamt Darmstadt, ein ausführendes Verkehrsunternehmen, in diesem Fall die HEAGmobilo und die unterschiedlichen Fahrgastvertreter mit dem Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der Behindertenvertretung und dem Fahrgastbeirat der DADINA.

2. Akt – Die Organisation
Veranstaltungsort ist das Kreishaus des Landkreises Darmstadt-Dieburg in Kranichstein. Eingeladen wird über die üblichen Kanäle: Gedruckte Flyer, die in Bussen, Bahnen und in den Geschäftsstellen ausliegen, Presseartikel und eine Einladung im Netz. Die Parteien bzw. Fraktionen laden durchweg nicht ein – Ausnahme: Die Piratenpartei. Neben dem obligatorischen Eintrag auf der eigenen Homepage gibt es den Veranstaltungshinweis auch in den sozialen Netzwerken und auf einem Infostand am Weißen Turm.
Immer konkreter wird auch die Idee, die Podiumsdiskussion live ins Internet zu übertragen. Der Kreissaal ist technisch bestens ausgestattet. Es gibt rückkopplungsfreie Funkmikrofone, eine fest installierte Videokamera und einen Hochgeschwindigkeits-Internetzugang. Doch der Veranstalter hält sich zurück, möchte eine Live-Übertragung nicht gestatten. Schließlich erhalten die Piraten die Erlaubnis, die Veranstaltung auf eigene Faust und Rechnung zu senden und aufzuzeichnen.

3. Akt – Die Technik
Für die Übertragung muss das Team um Wolfgang Preiss von www.piraten-streaming.de allerdings sowohl auf die Videotechnik als auch auf den Internetanschluss des Hauses verzichten. Lediglich das Tonsignal wird zur Verfügung gestellt. Der Upload erfolgt nun über UMTS, die Übertragungsqualität muss deutlich verringert werden.
Um ein stabiles Signal zu erhalten, muss außerdem ein Fenster des Saals geöffnet werden. Im Laufe der Veranstaltung und mit zunehmend fallenden Außentemperaturen kann man das gegenüber den anwesenden Gästen nicht weiter vertreten. Das Fenster wird geschlossen, der Stream bricht ab. Die weitere direkte Berichterstattung erfolgt nun von mehreren Gästen über Twitter.
Die parallel laufende Aufzeichnung der Veranstaltung erfolgt störungsfrei und in guter Qualität.

4. Akt – Die Veranstaltung II
Der Einladung nach Kranichstein folgen knapp 40 Gäste. Durch den Stream werden noch einmal 20 Zuschauer erreicht. Wie viele Menschen sich für die gesendeten Tweets interessieren, kann nicht genau bestimmt werden.

Inhaltlich werden die Argumente freundschaftlich ausgetauscht. Die Befürworter der Fahrradmitnahme fordern den Ausbau der Kapazitäten, die Gegner wollen die Fahrradmitnahme teilweise ganz untersagen.

Schuld sucht man vor allem bei den Studenten, denen man unterstellt, aus Faulheit die Räder mit in die Fahrzeuge zu nehmen anstatt den Weg auf dem Rad zu bewältigen. Andererseits werden eine Reihe Argumente aufgezählt, warum eine Fahrradmitnahme notwendig und sinnvoll sein kann.
Auf der Suche nach einer Lösung einigt man sich vor allem auf deutliche Hinweise auf die gültigen Regeln in den Fahrzeugen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass auf den Linien zum TU-Campus Lichtwiese ab Dezember weitere Fahrzeuge zum Einsatz kommen und die Kapazitäten dadurch erhöht werden. Langfristig soll es weitere Schienenstrecken im DADINA-Gebiet geben, wodurch eine Fahrradmitnahme im Vergleich zum Bus deutlich vereinfacht werden soll.

5. Akt – Das Feedback
Der Veranstalter, die Diskutanten und die Gäste geben sich zufrieden mit den Ergebnissen der Podiumsdiskussion. Durch die Thematisierung zeige sich, dass der ÖPNV im DADINA-Gebiet eigentlich doch sehr zufriedenstellend sei, so der O-Ton eines Gastes.
Gegenüber der Live-Übertragung zeigen vor allem die Diskutanten starke Vorbehalte. Es gehen Gerüchte um, dass man das Video manipulieren könne und so ein falscher Eindruck von der Veranstaltung entstehen könnte. Im Netz ist man hingegen begeistert von der für den Landkreis neue Form des Informationsangebots. Durch den Stream werden insgesamt über 50 Prozent mehr Menschen erreicht, ganz ohne offizielle Werbung.
Das vollständige Video der Veranstaltung steht bereits am nächsten Tag auf YouTube. Innerhalb der ersten acht Stunden gibt es über 30 Klicks auf den Link. Das Video wird unter anderem auf den Seiten der DADINA und der Piratenpartei Darmstadt eingebunden.

Öffentliche Diskussion zur Radmitnahme in Bussen und Bahn

Jeder Pendler im ÖPNV hat es schon erlebt: Die Suche nach einem freien Sitzplatz. Wer dabei mit dem Rad morgens zur Arbeit oder in die Schule unterwegs ist, um nicht die ganze Strecke bis zur nächsten Haltestelle laufen zu müssen freut sich, wenn ihm Radabteile angeboten werden. Was mittlerweile überall in Bussen und Bahnen der Fall ist.

Das Tolle an der Dadina Lösung ist: Die Mitnahme des Rades ist kostenlos und rund um die Uhr erlaubt. Anders als zum Beispiel in Berlin, wo für die Radmitnahme extra bezahlt werden muß und auch nur zu bestimmten Zeiten außerhalb des Pendleransturms erlaubt ist.

Wobei bei der Dadina die reservierten Bereiche für alle mit Rädern gedacht sind: Radler, Rollis und Erwachsene mit Kinderwägen. Darauf weisen diskrete Aufkleber in Bierdeckelgrösse hin, die alle Reisenden um die bevorzugte Freigabe der Abteile für die mit Rädern am Gefährt bitten.

Dass es in überfüllten Pendlerzügen dabei zu Missverständnissen und wütendem Kopfschütteln kommen kann, liegt auf der Hand. Offenbar mehren sich die Beschwerden.

Grund genug für die Dadina, zu einer öffentlichen Diskussion in das Kreishaus nach Kranichstein einzuladen. Man will nach Lösungen suchen. So richtig mit Grußwort vorneweg und Moderation durch einen Profi und den üblichen Interessensvertretern aus dem Nahverkehrsbereich und einem Podium.

Hier die Aufzeichnung der Podiumssdiskussion:

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