Stellungnahme des Ersten Kreisbeigeordneten Ahrnt zum Einsatz von Doppelstockbahnen auf der Odenwaldbahn:

Der RMV sieht derzeit keine Möglichkeit zum Einsatz von Doppelstockwagen auf der
Odenwaldbahn. Der Einsatz von Doppelstockwagen beschränkte sich in der Vergangenheit vor
Aufnahme des Betriebs durch die VIAS auf einzelne Zugfahrten die zwischen Frankfurt und
Stuttgart auf der Odenwaldbahn über Hanau und Eberbach geführt wurden. Mit der umfangreichen
Modernisierung der Infrastruktur auf der Odenwaldbahn wurde ein neues Fahrplankonzept
eingeführt, das insbesondere zahlreiche Durchbindungen nach Frankfurt, eine höhere
Streckengeschwindigkeit und häufigere Verbindungen beinhaltet. Dieses erfolgreiche Konzept hat
zu einer großen Steigerung der Nachfrage geführt.
Für die Durchführung des Fahrplanprogramms sind spurtstarke Fahrzeuge notwendig, um die
Fahrzeiten zwischen den Begegnungspunkten auf der Odenwaldbahn halten zu können. Diese
Fahrzeiten können derzeit nur von Triebwagen wie dem eingesetzten Fahrzeugtyp Itino erreicht
werden. Spurtstarke Doppelstocktriebwagen gibt es auf dem Fahrzeugmarkt nicht als
Gebrauchtfahrzeuge und als Neufahrzeuge nur in der Ausführung für elektrifizierte Strecken. Der
RMV hat zur Überprüfung der Möglichkeit des Einsatzes von Doppelstockzügen mit marktüblichen
Diesellokomotiven auf der Odenwaldbahn eine Fahrzeitrechnung beauftragt. Diese
Fahrzeitrechnung hat ergeben, dass die fahrdynamischen Eigenschaften eines Doppelstockzuges die
heutigen Fahrzeiten nicht erreichen und damit den Bestandsfahrplan nicht abbilden können. Der
heutige Fahrplan reizt in der Hauptverkehrszeit die Infrastruktur voll aus. Für den Einsatz von
Doppelstockzügen müsste in der Hauptverkehrszeit die Anzahl der Fahrten gegenüber heute
reduziert werden. Aus unserer Sicht ist eine Reduzierung der Fahrten angesichts der hohen
Nachfrage jedoch keine Option.

Bei den besonders stark nachgefragten Direktfahrten von/nach Frankfurt ist im Frankfurter
Hauptbahnhof eine Durchbindung der Fahrten RE85<>RB82 aufgrund der dichten Gleisbelegung
notwendig. Eine Isolierung einzelner Fahrten auf Umläufe anderer Fahrzeugtypen ist bei diesen
Fahrten nicht weiter möglich. Der Einsatz von Doppelstockwagen müsste damit ganztägig auch auf
Fahrten erfolgen, bei denen dies aus Kapazitätsgründen nicht erforderlich ist.
Hinsichtlich der Kapazität stehen auf der Strecke nur nutzbare Bahnsteiglängen von 115 Metern zur
Verfügung. Diese unterscheiden sich von den baulichen Bahnsteiglängen durch einen generellen
Kennwert für Halteungenauigkeiten. An den Bahnsteigen der Odenwaldbahn könnten damit nur
maximal Doppelstockzüge mit Diesellok und drei Wagen halten. Diese Fahrzeugeinheiten bieten
gegenüber einer Dreifachtraktion Itino keine wesentlichen Kapazitätssteigerungen, da
Verlustlängen durch die gesonderte Antriebseinheit, die notwendigen Treppenaufgänge und die
nicht vollständig ausgenutzte Bahnsteiglänge bestehen. Darüber hinaus weisen Züge mit vier
Doppelstockwagen gegenüber den Zügen mit drei Doppelstockwagen noch weitere fahrdynamische
Verluste auf und sind damit noch langsamer. Türen an einzelnen Bahnsteigen zu sperren, um
längere Züge zu fahren, sehen wir nicht als zielführend an, da hier für die Fahrgastlenkung auch das
Zugbegleitpersonal benötigt wird. Ist ein Zug beispielsweise wegen Personalengpässen ohne
Zugbegleitpersonal unterwegs, müsste der Halt entfallen und dies kann nicht im Interesse der
Fahrgäste sein. Weiterhin sind neben den Bahnsteiglängen auch die Standorte der Signale zu
beachten, zwischen welche die längeren Züge passen müssen. Weil Signale als
sicherungstechnische Einrichtungen nicht einfach verschoben werden können, haben wir eine
Studie zur Verlängerung der Bahnsteige durchgeführt, um die für längere Züge notwendigen
Umbauarbeiten zu ermitteln.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass eine Verlängerung der Bahnsteige technisch möglich ist,
aber die dafür notwendigen Investitionen hinsichtlich Förderwürdigkeit mit dem Instrumentarium
der Nutzen-Kosten-Untersuchung nach dem standardisierten Bewertungsverfahren für
Verkehrswegeinvestitionen trotz hoher Auslastung nicht nachgewiesen werden können. Dies stellt
ein grundlegendes Problem bei der Bewertung von Investitionsmaßnahmen dar, wenn bereits ein
gutes Nahverkehrsangebot vorliegt. Der RMV sucht daher nach Möglichkeiten einen Teil der
Maßnahmen zur Kapazitätssteigerung der Odenwaldbahn über weitere Förderwege zu realisieren.
Gleichzeitig werden gemeinsam Möglichkeiten zur Optimierung des Verkehrsangebotes im
laufenden Verkehrsvertrag geprüft.